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Jetzt umsatteln, denn der Markt ist gierig

Veröffentlicht von am 23.03.2011.

Andrea BötelWährend in anderen Wirtschaftsbereichen der Aufschwung schon voll zur Entfaltung kommt, verharren viele Unternehmen in der Druckindustrie noch in erwartungsvoller Wartestellung. Doch Abwarten kann kein Ziel sein, Entscheidungen sind gefordert. 2011 ist ein wichtiges Jahr für die Branche, ein Jahr der Weichenstellung – und ein Jahr der Veränderung. Erfolg ist möglich für diejenigen, die umsatteln und dadurch  die Chancen der veränderten Medienlandschaft nutzen können.

Diskutiert wird viel, seit die Krise die Branche kalt erwischt hat. Über den Preisverfall, die Kostenexplosion, den Rückgang von Druckaufträgen, über Staatsgelder und künstliches am Leben halten von insolventen Unternehmen. Es hat den Anschein, als konzentrieren sich viele Druck- und Medien-Unternehmen einzig und allein darauf, einfach bloß länger stehen zu bleiben als der Wettbewerb. Die Gefahr ist allerdings groß, dabei die eigene Innovationskraft völlig aus den Augen zu verlieren.

Verständlich ist diese „Augen-zu-und-durch“-Haltung allemal, denn die Prognosen und Analysen sind wenig ermutigend. Von einem schrumpfenden Markt ist die Rede und dass sich die Situation niemals wieder auf das Niveau von 2007 anpassen werde. Reitet die Branche ein totes Pferd?

Richtig ist, dass der Bundesverband Druck und Medien zum Jahresbeginn eine sehr ernüchternde Einschätzung der Geschäftsentwicklung abgab. Die Stimmung ist alles andere als positiv. Für das Gesamtjahr 2010 verzeichnete der bvdm für die deutsche Druckbranche ein Umsatzminus von 2,5 Prozent bei einem Gesamtumsatz von 21,2 Milliarden Euro. Damit machte die gesamte deutsche Druckwirtschaft in etwa den gleichen Umsatz wie der US-Computerkonzern Apple allein im 1. Quartal 2011 (das endete am 25. Dezember 2010). Nach Angaben des Konzerns lag der Umsatz bei 26,74 Milliarden Dollar, übrigens eine Steigerung zum Vorjahreszeitraum von 71 Prozent. Der Gewinn wuchs sogar um satte 78 Prozent von 3,38 Milliarden Dollar auf 6,0 Milliarden Dollar. Euphorie in Kalifornien.

Interessant ist auch, dass Facebook, ein Unternehmen, das überhaupt erst seit 2004 existiert, in den ersten neun Monaten im Jahr 2010 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn in Höhe von 355 Millionen US-Dollar erzielen konnte. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Umsatzrendite bei rund 30 Prozent.

Von derartigen Renditen können Druck- und Medienunternehmen nur träumen. Doch Angst ist in dieser Situation ein schlechter Ratgeber. Die Frage ist: Worin liegt das Geheimnis dieser Megakonzerne, die einen so starken Einfluss auf die Grafische Branche haben, und die scheinbar spielerisch Geld scheffeln ohne Ende?

Die Wahrheit ist: Es gibt es kein Geheimnis. Es waren nur die richtigen Ideen zur richtigen Zeit von mutigen Köpfen mit Visionen. iPhone, iPad und alle dazugehörigen Online-Dienstleistungen von Apple trafen den Puls der Zeit ebenso wie die weltumspannende digitale Fassung der US-Jahrbücher, die Vorlage für das „Facebook“. Die Internet- und Medien-Welle, die eine ganze Generation und eine neue Medienwelt prägt, hat längst die Geschäftswelt überflutet. Sie verändert die Kommunikationswelt und dies hat Auswirkungen auf Werbebudgets und Marketingstrategien und damit auch auf alle Medien. Print ist da keine Ausnahme.

Natürlich wird Print seinen festen Platz auch in der modernen Medienwelt behalten, darum geht es nicht. Es geht darum, die Inhalte so optimal zwischen digitalen und gedruckten Medien zu verknüpfen, dass man die bestmögliche Zielgruppenansprache erreicht. Unternehmen, die das erkannt haben, sind erfolgreich, manche sogar erfolgreicher als zuvor. Sie haben umgesattelt und reiten heute wieder ein Rennpferd. So meldet etwa das Medienunternehmen Laudert das beste Ergebnis seiner Firmengeschichte. Die frühere „Reproanstalt“ bezeichnet sich heute Multichannel-Spezialist und verzeichnete mit neuen Geschäftsbereichen wie E-Commerce, E-Shops, einem digitalen Fotostudio und dem Digitaldruck im Jahr 2010, einen Umsatzzuwachs von 28 Prozent.

Neue Wege gehen auch die Heidelberger mit der Ankündigung des Einstiegs in den Digitaldruck. Gemeinsam mit dem japanischen Partner Ricoh will man seinen traditionellen Kunden Digitaldruck-Lösungen und den entsprechenden Service anbieten. Manroland erkennt ebenfalls die Notwendigkeit digitaler Drucktechnologien und hat bereits eine enge Partnerschaft mit der Canon-Tochter Océ bekannt gegeben. Die zunächst als Vertriebs-Partnerschaft dargestellte Kooperation, könnte aber ebenso in die Entwicklung gemeinsamer Digitaldruckprojekte münden. Gemeinsam entwickeln will auch Koenig & Bauer, die sich für eine Kooperation mit dem US-Unternehmen R. R. Donnelly entschlossen haben, um deren Inkjet-Lösungen zu vermarkten und Know-how auszutauschen.

So ist es also nicht verwunderlich, dass sowohl die Heidelberger Druckmaschinen AG als auch die Manroland AG auf der digi:media Flagge zeigen und das ist gut so. Denn die digi:media greift alle Neuheiten zwischen iPad und Co., Multichannel-Marketing, Web-to-Print und Digitaldruck auf und bietet so den Zugang zu vielen neuen Impulsen, die den Druckunternehmen helfen können, neue Ideen zu entwickeln. Dies ist eine Verknüpfung, wie es sie bisher in der Branche noch nicht gab, und das Angebot kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn die Branche ist bereit für Neues – und der Markt giert danach.

Kategorien: Allgemein Business Multichannel Print

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